
Laboratorium des Heiligen GeistesTreffen der Regio Freiburg und einiger Teilnehmer aus dem Jahreskurs Kentenich Pastoral mit Erzbischof Robert Zollitsch in Oberkirch 18 Mitbrüder aus der Regio Freiburg und aus den Teilnehmern des Jahreskurses Kentenich Pastoral hatten sich auf den Weg gemacht, um am 12. Juni im Schönstattzentrum Marienfried in Oberkirch das Paulusjahr zu reflektieren. Rainer Birkenmaier und Michael Gerber hatten nach Rücksprache mit Erzbischof Robert den Tag vorbereitet. Erzbischof Robert hielt zu Beginn eine kleine Statio im Heiligtum, das in wenigen Tagen sein 50. Jubiläum feiert. Dabei zog er eine kurze Bilanz des Paulusjahres und benannt wichtige Impulse, die er aufgenommen hat. Kurt Faulhaber hat sich zur Statio die folgenden Notizen gemacht: "Paulus will mit uns reden". Dieses Wort von Papst Benedikt hat Robert bewusst erweitert: Paulus will mit uns gehen, Wegbegleiter sein. Roberts Thema: Glaube angesichts des Pluralismus. Eine Fülle konkurrierender Religionen und Weltanschauungen - neuerdings auch kämpferischer Atheismus. Die Antwort darauf: Der Gott des Lebens! Die Menschen lassen sich überzeugen durch Personen, durch das Leben. Sacharja 8,23: Zehn Männer werden einen Mann aus Juda an seinem Gewand fassen, ihn festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn Gott ist mit euch. Spurensuche. - Bischof Wanke: Gott liebt es, in der Krise zu kommen. - Als Pfadfinder mit Paulus Wegbegleiter und Wegbereiter für die Zukunft. - Priesterjahr: Männer Gottes! (vgl. Timotheus) Die für Gott stehen - zu denen Gott steht. - Geöffnete Türen finden - Türen öffnen!“
|
|
 |
|
Kurt Faulhaber begann nach der Statio im Schönstattzentrum mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr. Dabei nutzte er das Medium der Schriftrolle, um auf das Wirken Gottes in dieser Zeit aufmerksam zu machen und es in verschiedenen Strängen aufzuzeigen: Als ersten den "Strang des Heiligen Geistes, vom Liebesbündnis mit dem Heiligen Geist, das in Oberkirch geschlossen wurde (das Oberkircher Hl. Geist Symbol war den ganzen Tag über im Tagungsraum) bis zum "Kleinen Konzil" in Rom; dann akzentuierte er im Leben P. Kentenichs seine Initiative zur Erneuerung der Kirche unter dem Stichwort „Alles neu“; als dritten Strang legte Kurt das Geschehen des
Jahreskurses Kentenichpastoral dar; mit diesem dritten Strang eng verbunden ist das Interesse Erzbischof Roberts an diesem Kurs und die wiederholten Begegnungen mit ihm während des Kurses. Als fünften Strang das Paulusjahr mit seiner Dynamik.
In einer ersten Gesprächsrunde am Vormittag waren die Teilnehmer eingeladen, ihre Erfahrungen mit dem Paulusjahr zu reflektieren. Angeregt wurde diese Reflektion durch ein „Interview mit dem Apostel Paulus“, der eigens aus Eislingen nach Oberkirch gekommen war.
Bernhard Schmid hatte, gemeinsam mit seinen evangelischen Kollegen, einen ökumenischen Paulusweg durch Eislingen gestaltet. Dabei ist eine Paulusfigur zum zentralen Symbol geworden. Michael Gerber „interviewte“ nun den Apostel Paulus, dem Bernhard Schmid seine Stimme lieh, um von den Erfahrungen in Eislingen zu berichten.
In der anschließenden persönlichen Reflektion trugen die Teilnehmer das zusammen, was ihnen während des Paulusjahres wichtig geworden ist. Die je persönlichen Erfahrungen wurden in Vierergruppen ausgetauscht. Die Viergruppen formulierten jeweils eine zentrale Botschaft des Paulusjahres, die der „Eislinger Paulus“ verkündete.
Auf einer Flipchart wurde festgehalten:Paulus hat uns wichtige Erfahrungen und Wegweisungen gegeben: - Du bist geliebt, persönlich berufen, „Christus lebt in mir!“. Gemeinschaft der persönlich von Gott Berufenen entsteht (Ekklesia)
- Lydia-Paulus-Häuser gründen, wo Herzen und Türen sich öffnen (gegenseitig und nach außen) [Lydia öffnet ihr Herz dem Evangelium und gewinnt ihr ‚Haus‘ für die Taufe; Paulus, der Missionar, findet mit seiner Botschaft offene Türen und Herzen]
- Glaubenserfahrungen teilen, Glaubensfreude entsteht. Medium „Schriftrolle“ (hält Erfahrungen fest mit der Überzeugung: „Hier wirkt Gott“)
- Die Situation zur Kenntnis nehmen, aushalten, und (im Glauben) deuten [Gott in allen Dingen suchen, finden und lieben]
- Die pilgernde Kirche ist geprägt durch die heutige Zeit (einige Zeitthemen: Konzil, Wirtschaftskrise, religiöser Pluralismus, …)
- In dieser Zeit den Pilgerweg des Glaubens gehen und offensiv missionarisch Jesus Christus verkünden
- Als Priester ‚Mann Gottes‘ sein; Lebensträger werden
|
|
 |
|
Nach dem Mittagessen gab Rainer Birkenmaier mit einem Impuls zum 31. Mai den Anstoß zum weiteren Austausch. Er stellte das Rednerpult in den Raum, von dem aus P. Kentenich 1967 in Oberkirch Vorträge gehalten hat.
Rainer regte die Teilnehmer an, der Frage nachzugehen, was P. Kentenich heute im Blick auf die Zeitsituation und das Geschehen in der Kirche sagen würde. Jeder einzelne hat seine Gedanken notiert und dann mit seinem Nachbarn besprochen.
Nachdem P. Kentenich in Bellavista die „Epistula perlonga“ geschrieben hat, waren die 2er Gruppen aufgefordert eine „Epistula brevissima“ zu formulieren und den übrigen Teilnehmern vorzustellen. Die „kurzen Briefe“ P. Kentenichs wurden unter sechs Überschriften zusammengefasst:
P. Kentenich ermutigt zu:- organismieren; Lebensträger zu verknüpfen
- Gott in allem zu (suchen, zu finden und) lieben. Jeder Mensch ist „Lieblingsbeschäftigung Gottes“. Den Dialog üben.
- Linien ziehen , Fäden verknüpfen (DNA-Stränge) (Nicht trennen, sondern zusammenschauen.)
- Der Priester als Lebensträger. Dieses Priesterbild stärken, dazu schulen, dazu helfen.
- Lebensübertragung (Sympathie, Osmose) ermöglichen (Leben entzündet sich an Leben)
- Das Liebesbündnis mit der Kirche / für die Kirche schließen (im Sinne des 31. Mai 1949); mit P. Kentenich die nachkonziliare Sendung der Kirche verwirklichen.
Das „Laboratorium des Heiligen Geistes“ fand seinen Abschluss mit der Feier der Vesper im Heiligtum. Während der Vesper wurde das Heilig-Geist-Symbol neu angebracht.
Als Ausdruck der Verbundenheit untereinander und mit Erzbischof Robert verbanden sich die Teilnehmer durch ein Zingulum. Dieser Akt ist auch Ausdruck für das Liebesbündnis mit der Kirche.
Stefan Keller
|